TYPO 2010

Es ist vorbei! Und ich bin ganz traurig, dass es nun ein ganzes Jahr dauert, bis sie wieder kommt, die TYPO. Vorab kann ich schon mal sagen, ich hab mich ja drauf gefreut, dennoch war ich auch leicht skeptisch. Zu oft hab ich jetzt auf Vorträgen gemerkt, dass ich doch sehr kritisch geworden bin und dank der see-conference und der ars electronica meine Ansprüche doch recht hoch sind. Aber, die TYPO hat mich nicht enttäuscht, Tag eins begann durchwachsen, Tag zwei und drei waren aber so stark, vermutlich muss ich das alles gerade auch noch ein wenig sacken lassen. Für die, die nicht auf meine ellenlangen Texte stehen nun gleich zu Anfang die Erlösung:

noch mehr gibts hier zu sehen: FontShopTV

So und nun für die, die es genau wissen wollen, eine Zusammenfassung der Vorträge dich ich gesehen hab. Ich versuch mich kurz zu halten, echt!

Donnerstag:

Alessio Leonardi mit »Leidenschaft? Nein, danke!«

Trotz leichten Sprachproblemen hat uns Alessio Leonardi einen wunderschönen Einstiegsvortrag in Form eines Comics aufbereitet. Ein sehr charmanter, humorvoller Italiener, der seine Liebe zur Typografie mit einer biblischen, nicht ganz jugendfreien Geschichte begründet hat. Außerdem ein Mensch, der sich offensichtlich selbst nicht allzu ernst nimmt. LIKE!

Veronika Burian mit »Typographic Matchmaking«

Veronika Burian ist Typografin durch und durch, der Infekt hat sie offensichtlich heftig erwischt. Ansehen wollte ich den Vortrag vor allem, weil ich wusste, dass sie einige Zeit bei DaltonMaag in South London tätig war und naja, um ganz ehrlich zu sein, ja, ich gehe auch mal auf Nummer Sicher, wenns um Schriftkombination geht und wollte gerne lernen. Ihr Vortrag war sehr informativ und in gute Themenbereiche aufgeteilt, dennoch, die Leidenschaft konnte sie in mir nicht ganz entflammen, ihr Vortrag war mir etwas zu trocken, zu viele Negativbeispiele, zu wenig Positivbeispiele, aus denen man lernen könnte.

Peter Kruse mit »Die Magie emotionaler Resonanz. Wenn der Schwanz beginnt mit dem Hund zu wedeln.«

Den Keynote Vortrag sollte eigentlich Prof. Peter Kruse halten, leider haben wir in letzter Minute erfahren, dass dieser erkrankt ist. Erik Spiekermann ist eingesprungen, weshalb wir uns erst einmal in die Sonne gelegt haben. Um 18:00 Uhr konnte aber Prof. Kruse’s Kollege Frank Schomburg einspringen und über die Bedeutung der sozialen Netzwerke in Bezug auf Professionen sprechen. Das Thema verliert meiner Meinung nach noch lange nicht seine Brisanz, weshalb man sich gerade als Gestalter damit befassen sollte. Der Vortrag war informationsgeladen, schnell, aber auch sehr interessant, muss wohl aber noch ein wenig sacken…

Carlos Segura mit »Type of life«

Der kubanische Gestalter Carlos Segura hat uns gerade zu mit tollen Arbeiten beworfen. Es war faszinieren, was man innerhalb eines Studio-Lebens alles qualitativ Hochwertiges produzieren kann. Am besten selbst angucken. Aber Vorsicht, so gut und inspirierend der Vortrag ist, so unübersichtlich ist leider seine Website, da musste noch dran arbeiten, lieber Carlos… Egal, getanzt hat der Gute auf der TYPOnight bis in die frühen Morgenstunden, Respekt!

Julian Smith mit »Who the Heck are You?«

Kurz nach seiner Hochzeitsreise hat Julian Smith noch schnell die TYPO mitgenommen. Sein erster Vortrag war es und die wichtigsten Worte, die er bis dato gelernt hat: »Spreschen Sie english?«. Einen schönen Ausreißer hat sich die TYPO damit genehmigt und einen schönen Abschluss für den ersten Tag. Obwohl…

Freitag:

Joachim Sauter mit »Neu-Erfindung aus Leidenschaft«

Einen guten Start in den Tag hat uns Joachim Sauter geliefert. Anhand einiger interessanten Arbeiten hat er uns den Werdegang seiner Agentur näher gebracht. Die Projekte kannte ich persönlich zwar schon, dennoch war es ein interessanter Vortrag und vermutlich war er für die meisten Gäste der TYPO doch sehr neu. Selbst ich konnte wieder neue Schlüsse aus seinem Vortrag gewinnen, obwohl ich ja heimlich er Fan bin und deshalb immer auf Neuestem Stand. Sympathisch: Der Crash der BMW-Installation in der ersten Testphase, nobody’s perfect! Try and lern!

Candy Chang mit »Street Vendors, Stencils and Neighbors«

Zu Tränen hat mich Candy Chang aus New York mit Ihrem Vortrag gerührt. Die charmante smarte Lady hat uns über Ihre Projekte im öffentlichen Raum informiert und die Verantwortung, die der Gestalter innerhalb seiner Gesellschaft tragen kann. Genau mein Thema! Schöne Arbeiten zur Verständigung und Information mit rührenden sozialen Hintergedanken. Danke, Candy!

Jan Chipchase mit »Fresh Minds«

Der Engländer Jan Chipchase sieht die Welt mit ganz eigenen Augen. Er ist Researcher und versucht auf seinen Reisen Verhaltensweisen (vor allem in Notlagen) zu erforschen, er sucht nach innovativen Improvisationen und intelligenten Erklärungen und Erkenntnissen. Inspirierend, interessant, viel zu schnell zu Ende!

Fons Hickmann mit »Melancholie fickt dich ins Knie«

Lieber Fonsi, nimms mir nicht übel, aber dein Thementitel hat deinen Vortrag leider nicht zu deinem Vorteil bestens getroffen. Ich weiß, aus deiner Agentur können auch tolle Ideen entstehen, aber Buchstaben aus Pappkarton sind von gestern, ganz Holland mit einem Penisplakat und Typo von vor 10 Jahren zuzupflastern ist die traurigste und platteste Art und Weise Aufmerksamkeit zu erregen und wir habens auch schon viel zu oft gesehen. Und eine Galerie mit abgefahrenen, teils unverständlichen Arbeiten als erstes Grafik-Design-Museum Europas zu bezeichnen… schwierig. Gerne hätte ich ein wenig mehr über dessen Zielgruppe erfahren und zudem denke ich, das Grafikdesign mehr als reine Formgebung ist, sie sollte Geschichten erzählen, den Menschen Themen näher bringen und Interesse wecken, leider hast du uns diese Arbeiten nicht gezeigt. Ein paar waren unter aller… und ein einziges Plakat, das mir gefallen hat, ist in Kollaboration mit anderen Gestaltern entstanden. Ich finde es toll, dass du ein für Studenten bezahlbares Buch über deine Arbeiten herausgebracht hast, aber das ist, lass mich nicht lügen, 5 Jahre alt?! Mach ein Neues, wieder mit tollen Arbeiten, erstelle deinen Vortrag selbst, passe ihn ein wenig ans Thema an und wir sind wieder Freunde…

David Carson mit »A Design Surf«

Leonardi hats so schön gesagt, alle Gestalter haben ständig diese dumme Serife im Kopf, die noch nicht ihre Zufriedenheit erfüllt. Egal wo sie sind, was sie machen, diese dumme dumme Serife ist immer dabei. Ein einziger Gestalter ist von diesem Fluch befreit, er muss ständig an die Welle denken und das ist good old David Carson. Sehr kritisch bin ich in seinen Vortrag gegangen und ich muss sagen, er hat mich positiv überrascht. Keine einzige Arbeit hat er gezeigt, was meiner Meinung nach sehr schlau war, die Guten kennen wir nämlich alle und die sind auch schon 20 Jährchen her. Stattdessen hat er uns seine Welt gezeigt. Voll mit Surfbrettern, nackten Brüsten (Fons Hickmann muss nen Penis malen, David Carson hat richtige Fotos von Brüsten), Surferwunden, seinem Haus in der Karibik, seinem kleinen Studio in der Garage, seinen Kids und den Fundstücken, denen er täglich über den Weg läuft. Seine erfolgreichste Zeit als Gestalter mag vorbei sein, dennoch ist er für mich derjenige, der Grafik Design populär gemacht hat, das mag seine Nachteile haben, aber für mich hat es den Vorteil, dass ich dadurch auf dieses Fachgebiet aufmerksam geworden bin, es studiert habe und nun darin arbeiten darf. Außerdem mag ich Menschen, die ihr Leben genießen, es sich gut gehen lassen und alles mit Leidenschaft tun, das hat er auch mit seinem 250.000 Vortrag bewiesen.

Erik Kessels mit »KesselsKramer says Hello«

Am bekanntesten ist KesselsKramer (viel Spaß mit dem Link) wohl mit seiner Kampagne für das Hans Brinker Budget Hotel. Wunderbar war seine freie Serie »in almost every picture«. Eine echte Passion und noch dazu rührend. Was ich dir schon immer sagen wollte, lieber Erik: »pet knutselen?« Hab ich nur für dich gelernt…

Speaker’s Dinner

Ein Privileg, dass nur Sprechern und Fontshopleuten vorenthalten ist uuuuund *trommelwirbel* der Agentur, die der TYPO sein Aussehen gibt, ist das Sprecheressen. Und schwupps, war ich schon drin, dank hartnäckigen Chefs, vielen lieben Dank Steffi und Magnus, das war ein tolles Geschenk zur TYPO! Hereinspaziert und Tisch ausgesucht, mein Tisch hieß: CarsonSeguraSauterBerman. David Berman hat uns zur Einstimmung einen Trick gezeigt, mit dem man aus einer Serviette einen holländischen Hut basteln kann. Also, stellt euch bitte meinen Tisch vor, mit all den hochkarätigen Gestaltern und den weißen Mützen auf dem Kopf. In dem Moment kamen auch noch meine Chefs in den Raum und war ja klar, dass sie das wieder auf mich geschoben haben ;-) Zeit für ein Foto hab ich während der ganzen Aktion leider leider nicht gefunden… Mein Highlight des Highlights der TYPO war ein ganz nettes Gespräch mit Joachim Sauter und damit war mein Soll erfüllt (mein Wunsch zum Essen: Am Tisch mit David Carson sitzen und mich trauen mit Joachim Sauter zu sprechen). Vielleicht klingt das jetzt ein wenig fanmäßig, aber ich hatte das Gefühl auf Augenhöhe mit einem tollen Gestalter über Gestaltung sprechen zu können und so solls ja auch eigentlich sein, dennoch ist das leider oft noch ein Ausnahmefall. Trotzdem haben sich die Großen alle anständig aufgeführt und es war ein sehr sehr schöner, aufregender Abend! Ich wurde sogar einmal gefragt über welches Thema ich denn meinen Vortrag halten würde (!!!).

Samstag:

Jonathan Barnbrook mit »Typographic Passion«

Barnbrook ist Schriftgestalter aus London. Er hat uns näher gelegt, wie er auf seine manchmal durchaus sozialkritischen Fonts kommt. Seine Arbeit mag Geschmackssache sein, aber seine Herangehensweise war sehr spannend. Manchmal bin ich aber durch seinen wunderschönen Akzent ein wenig in Gedanken abgeschweift muss ich zugeben.

Uta und Thilo von Debschitz mit »Infiziert, Der Bildervirus des Dr. Fritz Kahn«

Aus Zufall sind die Geschwister von Debschitz auf faszinierende Mensch-Maschine-Illustrationen eines ominösen Fritz Kahn gestoßen. Es stellt sich heraus, Herr Kahn ist der Vater eines Bekannten der beiden. Die Suche beginnt und endet mit einem umfangreichen Buch, das das Leben des Fritz Kahn beschreibt und die wunderbaren Illustrationen, die seine Arbeit hervorgebracht hat. Ein wahrer Informationskünstler!

David Berman mit »Mach den Planeten zu deinem Kunden. Was kommt noch?«

Ok, ich schicks gleich vorweg, die TYPO kann auch anstrengend sein und hätte ich vorher gewusst, über was der gute Mann spricht (er war Überraschungsgast), hätte ich ihn mir direkt nach den Serviettenhütchen geschnappt und ihm alles aus der Nase gezogen was er weiß und irgendwie, naja, ich hab ihn quasi zu 95 % verpasst, aber als ich kam, stand er gerade auf einem Stuhl vor seiner Projektion, sprang wie wild rum und hat ziemlich Gas gegeben. Deshalb sollte man (auch ich) ihn noch mal genauer unter die Lupe nehmen und googeln.

Daniel Gjøde mit »Stupid has the Balls«

Daniel Gjøde aus Schweden hat uns seine Arbeiten als Motion Designer gezeigt und vorab die schöne Kampagne gezeigt, die DIESEL extra für sein Studio gemacht hat. Seine Arbeiten sollen hier nicht beschrieben werden, lieber guckt ihr euch die Videos selbst an!

Piet Schreuders mit »Making Furore: Adventures in Zine-land«

Eröffnet hat Piet seinen Vortrag mit dem Magazin »De Poezenkrant«, ein Magazin von Katzen für… keine Ahnung, Katzen? Damit hat er jedenfalls mein Herz sofort erobert. Katzen berichten über Themen, die sie als Wichtig erachten, jedes Magazin wurde neu gestaltet und die Fangemeinde war groß. Seine Arbeiten sind durchaus sehenswert, also mal anklicken!

König Bansah und Julian Zimmermann mit »Der König ist Kunde«

Der König wurde Kunde von Julian Zimmermann und ganz nebenbei entstand eine tolle Bachelor-Arbeit, Julian ist der Held, er hat standing ovations einkassiert, das Publikum zum Lachen und zum Weinen gebracht und alle waren wir begeistert. Für so einen jungen Menschen ein ganz großer Auftritt. Obwohl es nicht der letzte Vortrag der TYPO war, wird er als im wahrsten Sinne des Wortes krönenden Abschluss gehändelt. Das Projekt ist online noch nicht sichtbar, aber ich denke lang kanns nicht mehr dauern.

Studio Dumbar – nicht der Rede wert –

Conclusion:

Seine Frau im Publikum aufstehen zu lassen mit dem Satz »Just to show you how hot she is« oder seine Frau in seinem Lebenslauf aufzuführen, oder seine Frau als Inspiration und auch härteste Kritikerin zu erwähnen ist auf der TYPO absolut »in«!

Videos zu zeigen, wie man auf dem Surfbrett steht, wie man seiner Chica eine Botschaft aufnimmt oder wie man mit Postits auf den Augen durchs Studio tanzt ist auf der TYPO absolut »in«!

Sein MacBook mit Siebdruck zu verschönen vermutlich DER TREND der TYPO 2011 (ok, ich habs von Norman geklaut, aber das war auch kein Apfelbuch)!

passionbook

Outlook:

TYPO 2011

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